Workshop:
Spoken Dance
Wie wird aus Tanz ein Text,
und aus Sprache wieder Bewegung?
Mit Pernille Sonne & Lisa Rykena
Wie lässt sich Tanz in Sprache verwandeln – und Sprache zurück in Bewegung? Wie wird aus einer Geste ein Satz, aus einem Atemzug ein Geräusch, aus einer Choreografie eine Geschichte? Dieser Workshop widmet sich den vielfältigen Wegen künstlerischer Übersetzung: Tanz zu Text, Text zu Tanz, Bewegung als Narration oder als abstrakte Klanglandschaft. Tanz wird hier nicht als rein nonverbales Medium verstanden, sondern als geräuschvolles, emotionales Erzählen des Körpers. Jeder Schritt trägt Bedeutung, jede Wiederholung erzeugt Rhythmus, jede kleinste Verschiebung kann Verführung, Widerstand oder Intimität ausdrücken. Zwischen konkreter Beschreibung und poetischer Verdichtung erkunden wir, wie Bewegung sprachlich formuliert oder in Klang übersetzt werden kann – und wie Worte wiederum Körper in Bewegung setzen.
Der Workshop besteht aus zwei Teilen:
Im ersten Teil geben die Workshopleiterinnen Eindrücke in grundlegende Methoden der Verflechtung von Audiodeskription, Performance und Tanz. Anhand praktischer Scores werden Strategien erprobt, mit denen Bewegung beschrieben, erweitert oder transformiert werden kann. Dabei spielen Fragen der ästhetischen Barrierefreiheit eine zentrale Rolle: Wie kann Beschreibung nicht nur zugänglich machen, sondern selbst künstlerischer Akt sein? Welche erzählerischen Qualitäten entstehen, wenn Sprache Teil der Choreografie wird?
Im zweiten Teil werden ausgewählte Scores aus der letzten Tanzproduktion »Stripping Bolero« ↗ vom Choreografinnenduo Lisa Rykena und Carolin Jüngst geteilt, bei der Pernille Sonne als Dramaturgin mitgearbeitet hat. »Stripping Bolero« dient als konkretes Beispiel für das Zusammenspiel von Körper, Stimme, Dramaturgie und Aesthetic of Access und der choreografischen Forschung zu Verführung und Tanz.
Geleitet wird der Workshop von Pernille Sonne und Lisa Rykena. Verbunden durch eine mehrjährige Zusammenarbeit in unterschiedlichen Kontexten, teilen sie ihre künstlerische Praxis zwischen Bewegung, Sprache und Zugänglichkeit. Der Workshop ist eine Einladung, Tanz als erzählende, klingende und verfü̈hrende Kraft zu begreifen – und die eigene Praxis um neue Formen der Übersetzung zu erweitern. Der Workshop richtet sich an alle Interessenten mit oder ohne Tanzerfahrung.
Lisa Rykena
Lisa Rykena (sie/ihr) lebt in Hamburg. Sie arbeitet als Tänzerin, Choreografin und Dozentin u.a für die Company Christoph Winkler in Berlin und produziert mit ihrer Duopartnerin Carolin Jüngst, unter dem Namen RykenaJüngst ↗, eigene choreografische Arbeiten in Hamburg und München, mit denen sie nach Wien, Berlin und Hongkong tourte. Die letzte Arbeit des Duos – STRIPPING BOLERO (2025), in Kampnagel Hamburg uraufgeführt – wurde auf das IMPULSE Festival 2026 in NRW eingeladen. Lisa forscht und arbeitet zu Erotik im Tanz (Stripping, Burlesque), World Building im Tanz (Imagination, Verwandlung) und zur ästhetischen Barrierefreiheit.
Instgram @lis_ryk ↗
Pernille Sonne
Sprache und Bewegung sind die zentralen Elemente der Arbeit von Pernille Sonne. Die erblindete diplomierte Sprachgestalterin und Schauspielerin ist in vielfältigen inklusiven Projekten tätig, die sich von Spracherziehung über Regie bis zu Performance und Tanz erstrecken. »Mich im Raum und Räume zu bewegen« ist dabei Ziel und Grundgedanke ihres Schaffens. 2004 schrieb sie mit Armin Petras das Stück »Mach die Augen zu und fliege«, in welchem sie als Hauptdarstellerin schauspielerte und tanzte. Zu diesem Stück wurde auch die allererste Audiodeskription zu einer Tanzperformance ausgestrahlt. Heute lebt die gebürtige Dänin in Leipzig, wo sie unter anderem im Schauspiel Leipzig als Autorin für Audiodeskriptionen tätig ist. Aktuell widmet sie sich außerdem der Exploration von verschiedenen Wahrnehmungskanälen. In den Arbeiten mit Xenia Taniko als auch Jan Burkhardt bewegt sie, neue Zugänge und Formen von Bewusstseinsfelder zu erforschen. Es geht darum, weg von reiner Beschreibung und hin zur Erfahrung in unsichtbaren, aber tastbaren und fühlbaren Räumen zu kommen und diese gemeinsam, blind oder sehend, zu erleben.